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Erster E-Roller-Verleih in Hannover gestartet

EScooterShop-Besitzer Jens-Ulrich Müller aus Hannover hat Mitte Juli den ersten kommerziellen Verleih von elektrischen Tretrollern in Hannover gestartet. Anders als bei anderen Anbietern können die Roller tages- oder wochenweise geliehen werden. Während des hannoverschen Maschseefestes vom 31. Juli bis 18. August 2019 konnten sich Besucher an seinem Stand am Geibeltreff über die Flitzer informieren und individuell beraten lassen.

20.08.2019
EScooterShop
Foto: Jens-Ulrich Müller und Andreas Jastremski, neuer Store-Manager von EScooterShop

Herr Müller, welche Idee steckt hinter dem Verleih-Konzept?

Dahinter stecken im Prinzip folgende Ideen: Zum einen, dass man den Roller tages- und wochenweise mieten kann. Das heißt, man kann ihn mit nach Hause nehmen und auf seinen Alltagsnutzen hin überprüfen. Man kann ihn so bis nach Hemmingen, Ricklingen bzw. in die Außenbezirke mitnehmen, wo normale Roller nicht hinfahren. So kann man wirklich den intermodalen Ansatz testen, d.h. ich packe den Roller in die Bahn, nehme ihn beispielsweise mit bis nach Empelde oder Isernhagen, packe ihn in Großbuchholz wieder raus und fahre damit dann zur Arbeit. Der zweite Punkt ist: Wir möchten natürlich dem Kunden das Fahrzeug mitgeben, damit er dieses auf den Alltagsnutzen hin überprüfen kann, d.h. er nimmt den Roller mit nach Hause und schaut in Ruhe, ob das Gerät überhaupt zu ihm passt

Wie sieht das Verleih-Konzept konkret aus?

Wir haben uns gedacht, wir machen das tages-, wochen- und vielleicht auch noch mal monatsweise. Die Tagespauschale wird 19 Euro kosten, die Wochenpauschale 49 Euro. Wenn man den Roller ausleiht, wieder zurückbringt und anschließend ein Fahrzeug bei uns kaufen möchte, werden 50 Prozent vom Vermietpreis auf den Kaufpreis angerechnet, so dass man auch noch was Positives dabei rausziehen kann.

Wie viele Roller stehen dafür zur Verfügung?

Derzeit stehen fünf Roller zur Verfügung. Ab dem 23. August, also mit der Eröffnung des neuen Shops am Steintor, Goseriede 13 a, können wir ca. 20 bis 30 Roller bereitstellen.

Auf was muss der Nutzer achten, wenn er sich den Roller leiht?

Er muss sich auf die Fahreigenschaften des Rollers einstellen, er muss das Fahren mit dem E-Roller lernen. Das ist ja nicht so einfach wie das Fahren mit einem normalen Tretroller aus der Kindheit. Man hat es mit einem ganz neuen Gefährt zu tun und das bedeutet, man muss das Bremsen, das Beschleunigen und auch das Blinken Stück für Stück erlernen, am besten auch mit Trockenübungen - und sich dann langsam immer näher an die Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h heranwagen.

Muss man als Nutzer einen Helm tragen?

Es gibt keine Helmpflicht, aber es ist aus unserer Sicht ganz wichtig, dass man einen Helm trägt. Wenn man allerdings die derzeitige Nutzung der Leihroller anschaut, würde ich sagen, die Helmquote liegt zwischen einem bis drei Prozent. Das ist natürlich sehr wenig. Der Grund dafür ist sicherlich, dass mit dem Verleih von E-Rollern keine Helme zur Verfügung stehen. Wenn man sich bei uns die Roller ausleiht ist der Helm inklusive. Man kann das natürlich ablehnen, aber man sollte den Helm zumindest mitnehmen.

Wie schnell kann man wirklich mit den Rollern fahren?

Die Roller haben eine Höchstbegrenzung bis 20 km/h. Je nach Roller gibt es eine Toleranzgrenze von 10 Prozent, d.h. im besten Fall kann man bis zu 22 km/ damit fahren.

Braucht man einen Führerschein?

Nein, einen Führerschein braucht man nicht. Aber ganz wichtig zu wissen ist: für Leute unter 21 Jahre gilt auf dem Roller die 0-Promille-Grenze! Bitte unbedingt beachten!

Wie sieht es denn Ihrer Meinung nach mit der Sicherheit auf den Straßen in Hannover aus?

Oh, das ist eine gute Frage. Da muss sicherlich noch sehr viel mehr gearbeitet werden. Wir haben Fahrzeuge mit viel kleineren Reifen, d.h. die Fahrradwege und die Verkehrswege müssen dahingehend optimiert werden. Es ist ja so, dass wir laut Kraftfahrtbundesamt dann zugelassen werden, wenn die Fahrzeuge eine Höhe von zwei bis drei Zentimeter passieren können, d.h. es dürfen auf den Fahrradwegen keine höheren Hindernisse als zwei bis drei Zentimeter sein. Vor allem darf man dann im vollen Fahrbetrieb von 20 Km/h nicht zu Sturz kommen.

Wie, glauben Sie, wird der Rollerverleih zukünftig in Hannover angenommen werden?

Die Nachfrage ist für unseren Verleih sehr groß, weil der praktische Nutzen getestet werden möchte, die Leute möchten, bevor sie so viel Geld für ein Fahrzeug ausgeben, das sie nicht kennen, wissen, ob es für sie auch einen Sinn macht. Und die normalen Leihroller sind ein Fun-Faktor, mit denen gern mal gefahren wird. Das ist natürlich auch für uns ein großer Erfolg, weil die Leute dann überlegen, eventuell ein Fahrzeug kaufen zu wollen und sie kommen dann auch gern zu uns.

Wie sieht es denn mit der Infrastruktur aus bei uns in Hannover? Haben wir denn genug Radwege? Oder muss die Stadt Hannover da noch mehr tun?

Die Radwege können natürlich immer mehr und immer eine Spur besser sein. Das ist auch eine Vision, die die Stadt haben sollte. Und sie sollte ein Verkehrskonzept natürlich nicht nach der nächsten Wahlperiode hin ausrichten, sondern nach einer Vision, die veranschaulicht, wie die Stadt in den nächsten 20 bis 30 Jahren einmal aussehen könnte. Da erwarte ich halt auch noch Antworten, wie man sich so etwas vorstellen kann. Dass wir letzten Endes dazu kommen, dass man den Verkehr in der Stadt auch dahingehend ändert, so dass Fahrrad, E-Scooter und Fußgänger absolut Priorität haben. Und für den öffentlichen Nahverkehr das Auto, das wir ja nicht so gern mögen in der Stadt, zurückdrängen.

Haben Sie eventuell noch einen Wunsch auf dem Herzen, den Sie der E-Scooter-Branche mit auf den Weg geben möchten?

Ja. Ich wünsche mir, dass wir verantwortungsvoll mit der neuen Aufgabe umgehen. Wir müssen verstehen, dass wir eine ganz neue Fahrzeuggattung hier vor uns haben. Und dass uns klar sein muss, dass wir hier Kunden haben, die wir nicht verlieren dürfen, die wir für uns gewinnen müssen. Und dass wir das Fahrzeug, dass wir hier haben auch erklären und den Menschen nahebringen müssen. Dass wir nicht nur an den Profit denken, sondern an den langfristigen Erfolg, und das wird uns nachher auch nach vorne bringen. Auch das bedeutet Nachhaltigkeit.

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