• Online-Messe setzt neue Impulse für eine nachhaltige Verkehrswende
  • Hannover. Mit einer positiven Resonanz ist vergangene Woche die Premiere der micromobility expo digital zu Ende gegangen. Die erste Online-Veranstaltung der Messe für Mikromobile, Mobilitätsinfrastruktur und Dienstleistungen brachte am 27. und 28. August 1 000 Teilnehmer mit mehr als 40 internationalen Experten aus Industrie, Politik und Verwaltung im Internet zusammen. Allein 500 Teilnehmer haben sich die Eröffnungsveranstaltung angeschaut. Zudem nahmen 150 Personen am Speed-Dating teil. Die Diskussionsrunden, Ausstellungs- und Networking-Angebote gaben dem Dialog für eine nachhaltige Verkehrswende in den Städten neuen Schub. Das Online-Event wurde anstelle der micromobility expo ausgerichtet, die wegen der Entwicklungen rund um Covid-19 abgesagt werden musste.

    "Wir freuen uns sehr, dass so viele hochqualifizierte Sprecher und Teilnehmer unserem digitalen Alternativkonzept gefolgt sind und sich sehr aktiv auf der Online-Plattform ausgetauscht haben", sagte Simona Erdmann, Entwicklerin und Projektleiterin micromobility expo. "Wir werden daher zum klassischen Messeformat der micromobility expo künftig auch eine digitale Plattform anbieten."

    In den Talk-Runden setzen sich die Experten insbesondere mit den Themen Mobilität der Zukunft, Logistik in den Städten sowie Stadt- und Raumentwicklung auseinander. Ebenso standen Maßnahmen, die die Sicherheit im Straßen- und Verkehrsraum erhöhen und Lösungen, die das Miteinander von Mikromobilen mit anderen Verkehrsmitteln harmonisieren, auf der Agenda. Auch die gesellschaftlichen Herausforderungen vor dem Hintergrund der Corona-Krise wurden erörtert.

    Per Videobotschaft war Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zur Gesprächsrunde zum Thema Mobilität der Zukunft zugeschaltet. Der Minister forderte dazu auf, den Mut zu haben, die neue Mobilität zuzulassen. Er appellierte an die Metropolregionen, im Dialog zu einander zu finden und nicht in der politischen und medialen Diskussion gegeneinander zu arbeiten. "Die Mikromobilität muss auch im ganzen Land ankommen. Wenn man sie ermöglichen wolle, dann müsse man sie auch mit guten Argumenten erklären. Und dafür sorgen, dass Fahrzeuge sicher sind, die Geschäftsmodelle durchdacht sind und dass die Regeln eingehalten werden", sagte Scheuer.

    "Die Mobilität in urbanen Räumen muss sauberer, umweltfreundlicher und leiser sein und die öffentlichen Räume müssen neugestaltet werden", forderte Belit Onay, Oberbürgermeister Landeshauptstadt Hannover. "Städte werden durch die Transformation ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten haben, davon profitieren alle Menschen." Mikromobilität schaffe eine echte Alternative. Sie bedeute soziale Teilhabe, Lifestyle sowie Spaß und werde das Spektrum erheblich erweitern.

    Professor Dr. Stephan Rammler, Wissenschaftlicher Direktor Institut für Zukunftsstudien (IZT) Berlin, betonte: "Große Teile der Verkehrswende werden nicht gelingen, wenn es den Kommunen nicht gelingt, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Sie können dazu beitragen, die Rahmenbedingungen durch Regulierungen und damit das Verkehrsverhalten zu verändern. Werben und regulieren gehören dazu, um die Verkehrswende herbeizuführen."

    "Wir müssen weg vom Fokus auf ein Verkehrsmittel" fordert Laura Gebhardt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) in der Talk-Runde zum Thema Multi-/Intermodalität. Dort wurde diskutiert, mit welchen Maßnahmen das Miteinander von Mikromobilen mit anderen Verkehrsmitteln harmonisiert werden können. Dabei ging es unter anderem um den Öffentlichen Personennahverkehr sowie Pendlerverkehr und Sharing-Systeme.

    Im MicroCity Talk debattierten die Experten, wie sich Mikromobilität in den urbanen Zentren in Deutschland entwickelt und welchen Beitrag Kleinstfahrzeuge für die Beschleunigung der Verkehrswende leisten. Die Teilnehmer kamen zu dem Schluss, dass eine gute Strukturierung der Sharing-Angebote von elektrischen Kleinstfahrzeugen sowie die Verbesserung der Aufenthaltsqualität in den Städten durch die Schaffung von mehr Grünflächen und Abstellanlagen für Fahrräder und elektrische Kleinstfahrzeuge inklusive Ladestationen die Voraussetzung hierfür seien.

    Der Lieferverkehr in den Städten nimmt weiter zu. Das Paketvolumen hat sich im letzten Jahr fast verdoppelt. Brauchen wir mehr Ladeflächen in den Städten? "Wir brauchen einen noch besser organisierten Lieferverkehr. Dazu gehört es, dass derjenige, der innerhalb von 24 Stunden beliefert werden will aber auch mehr bezahlen muss als derjenige, der mit einer wöchentlichen Belieferung zufrieden ist", sagte Thorsten Bullerdiek, Niedersächsischer Städte- und Gemeindebund in der Talk-Runde Urbane Logistik. "Durch ein passgenaues Mobilitäts-Sharing könnte der Parkraum besser genutzt und damit mehr Raum für alle geschaffen werden: die Bürgerinnen und Bürger und die Lieferanten."

    Sicherheit im Straßen- und Verkehrsraum sowie Versicherungen waren die Themen der Talk-Runde Safety & Security, zu der Dr. Tina Gehlert, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V., Stefan Gerwens, ADAC, Dr. Michael Weyde, Europäischer Verband für Unfallforschung und Unfallanalyse, Ernst Brust, Geschäftsführer Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) sowie weitere Experten aufeinandertrafen.

    Wie sind die Bürger Hannovers künftig mobil? Welche Rolle spielen E-Scooter oder sogenannte Sharing-Services dabei? Und wie wirkt sich die Verkehrswende auf den Lieferverkehr in der Innenstadt aus? Im virtuellen Expertenforum der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung diskutierten die Podiumsteilnehmer über Verkehrsgerechtigkeit, Klimaschutz, weniger Autos und mehr Lebensqualität in der Innenstadt. Mit dabei waren unter anderen Professor Dr. Andreas Knie, Leiter der Forschungsgruppe Digitale Mobilität und gesellschaftliche Differenzierung am Wissenschaftszentrum Berlin und Mareike Wulf, Landtagsabgeordnete der CDU.

    Spannend war auch der International Micromobility Round Table. Dort setzen sich Experten aus Spanien, den Niederlanden, Dänemark, den USA und Deutschland über die Möglichkeiten und Herausforderungen für ein urbanes Europa auseinander.

    Diese und viele weitere Themen wurden während der zweitägigen Konferenz diskutiert. "Wir freuen uns sehr, dass wir bei der Gestaltung des Konferenzprogramms aktiv mit unseren nationalen und internationalen Netzwerken und unserer Expertise mitwirken konnten. Der Mensch steht im Mittelpunkt urbaner Verkehrskonzepte. In diesem Sinne wird Mikromobilität ein wichtiger Bestandteil zukunftsorientierter, nachhaltiger und sozial gerechter Mobilitätskonzepte sein. Die positive Resonanz auf die Veranstaltung belegt, wie wichtig gerade auch in Krisenzeiten eine solche Plattform für den Informationsaustausch, die Vernetzung und die Geschäftsanbahnung ist", sagt Sabine Flores, Prokuristin des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), Berlin. Die digitale Konferenz wurde gemeinsam von der Deutschen Messe Hannover, dem IZT Berlin und der Metropolregion Hannover Göttingen Braunschweig und Wolfsburg ausgerichtet.

    Begleitend zur Ausstellung stellten Unternehmen wie ebility GmbH | Kumpan electric, WERTGARANTIE Beteiligungen, highQ Computerlösungen, Vässla AB, ONgineer, Bond Mobility Germany, Waterman Charging System, movelo, NIU Technologies, Sigo, Digital Mobility Solutions | MOQO, Aspens und die Hochschule Hannover.

    Im kommenden Jahr wird die micromobility expo vom 27. bis 29. Mai 2021 unter dem Expo-Holz-Dach auf dem Messegelände Hannover veranstaltet.

    Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter www.micromobilityexpo.de/de/micromobility-expo-digital .